Das bayerische Alpenvorland wurde im Jahr 15 v.Chr. durch die Römer erobert und wenig später als Provinz Raetia (et Vindelicia) dem römischen Weltreich einverleibt. Augsburg - Augusta Vindelicum wurde Hauptstadt der neuen Provinz. Der militärischen Besetzung und dem Bau von Straßen und Brücken folgten bald Kaufleute, Siedler und Veteranen, die zahlreiche Dörfer und Gutshöfe gründeten, und zur raschen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beitrugen.
Das Interesse Roms an den Wäldern des bayerischen Alpenvorlandes entsprang dem Schutzbedürfnis der wohlhabenden Städte Ober- und Mittelitaliens, die schon Jahrhunderte zuvor immer wieder von kriegerischen Kelten heimgesucht worden waren. Außerdem sicherte das befriedete Vorfeld der Berge den verkehrsgeographischen Anschluß der reichen Provinzen Galliens und der mittleren Donau ans Mutterland.
Zu den wenigen römischen Siedlungen im Füssener Becken zählt eine Niederlassung im Schatten des Tegelberges, knapp 2 km südöstlich von Schwangau. Sie wurde 1934 "im Winkel" ("Rieder") am Fuß der Hornburg im Bereich der Tegelbergbahn - Talstation entdeckt. Es handelt sich um eine ausgedehnte Villenanlage, von der heute 11 Fundpunkte mit Gebäuderesten bekannt sind. Nach Auslage und Art der Gebäude handelt es ich um eine villa rustica, einen jener typischen bäuerlichen Hofkomplexe, die überall im Alpenvorland zu finden sind. Sie wurden im Familienbetrieb bewirtschaftet und stellten das wirtschaftliche Rückgrat der Provinz dar.